Nitecore NB10000 Gen4 im Test: 143 Gramm Carbon mit Silizium-Carbon-Anode

Nitecore NB10000 Gen4 im Test 4

Nitecore hat die vierte Generation der NB10000 nicht einfach nachgeschärft, sondern die elektrische Architektur umgebaut. Die Gen4 setzt auf eine interne 9V-Plattform, also eine 2S-Zellkonfiguration statt der bisher üblichen Einzelzelle. Dazu kommen IPX7, 22.5 W in beide Richtungen, ein Klopfsensor und ein integriertes Lanyard-Ladekabel. Das Gerät wiegt 143 g und kostet in der Schweiz aktuell knapp 90Fr.

Ich betrachte die Gen4 hier nicht als Outdoor-Gadget, sondern als das, was sie technisch ist: eine der wenigen Powerbanks, bei denen sich Zellchemie und Topologie tatsächlich vom Standardprodukt unterscheiden. Ob das im Alltag messbar ankommt, ist die eigentliche Frage.

Design und Verarbeitung

Das Gehäuse besteht beidseitig aus Carbonfaser-Sheets, eingefasst in einen Verbundrahmen, den Nitecore als «Composite Anti-Torsion Structure» vermarktet. Das Prinzip kennt man aus den Vorgängern: Die Carbonplatten übernehmen die Steifigkeit, der Rahmen die Stossaufnahme. Bei einem Pack, das in einer Laufweste über Stunden gegen den Brustkorb schlägt, ist das kein Marketing, sondern eine sinnvolle Konstruktion.

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Interessanter ist die Formänderung. Die Gen3 mass 122 x 59.2 x 10.6 mm, die Gen4 misst 116 x 46.8 x 14.5 mm. Nitecore hat die Grundfläche also deutlich verschmälert und das Gerät dafür um knapp vier Millimeter dicker gemacht. Rechnet man das Volumen aus, landet die Gen4 bei rund 78.7 cm³, die Gen3 bei rund 76.6 cm³. Die volumetrische Energiedichte ist damit trotz neuer Zellchemie praktisch unverändert, in der Nachkommastelle sogar minim schlechter. Der Fortschritt liegt ausschliesslich beim Gewicht, nicht beim Bauraum.

Für die Hosentasche ist das schmalere Format klar angenehmer, für ein flaches Laptopfach eher nicht. Wer die Gen3 wegen ihrer Plattenform mochte, bekommt hier bewusst etwas anderes.

Neu ist die Schutzart: IPX7 statt IPX5 bei allen Vorgängern. Das ist der Sprung von «regenfest» auf «kurzzeitiges Untertauchen», und bei einem Gerät mit zwei offenen USB-C-Buchsen ist das technisch bemerkenswert.

Zelltechnik: Silizium-Carbon und die 2S-Architektur

Hier steckt die eigentliche Neuerung. Nitecore gibt die Kapazität im globalen Datenblatt als 5.000 mAh bei 7.8 V (39 Wh) an, mit dem Zusatz «entspricht 10.000 mAh bei 3.9 V». Das ist keine Wortklauberei, sondern die präzise Beschreibung einer 2S-Konfiguration: zwei Zellen in Serie statt einer. Das DACH-Datenblatt führt dieselbe Energiemenge als 10.000 mAh 3.9 V (39 Wh), was zwar rechnerisch identisch, aber weniger aussagekräftig ist.

Der praktische Vorteil der höheren internen Spannung liegt in der Wandlung. Eine klassische 1S-Powerbank muss von rund 3.7 V auf 9 V hochsetzen (Boost), was Verluste erzeugt. Die Gen4 kann bei 9V-Ausgabe aus einer 7.8V-Plattform arbeiten und ist desshalb effizienter:

KennwertNB10000 Gen3NB10000 Gen4
Zellenergie38.5 Wh39 Wh
Nennabgabe bei 5V6.200 mAh (2A)6.800 mAh (3A)
Nennabgabe bei 5V, 1Akeine Angabe7.200 mAh
Rechnerische Effizienz bei 5Vca. 80.5 %ca. 87.2 %
Rechnerische Effizienz bei 5V, 1Akeine Angabeca. 92.3 %

Die knapp sieben Prozentpunkte mehr nutzbare Energie sind der handfesteste Fortschritt der Gen4, deutlich relevanter als das Gewicht. Bei gleicher Zellenergie liefert das Gerät real rund 600 mAh mehr an ein Smartphone. Die 92.3 Prozent bei 1 A halte ich für einen Laborbestwert unter idealen Bedingungen, plausibel bleibt der Wert für eine 2S-Topologie trotzdem.

Die Energiedichte steigt von 256.7 mWh/g auf 272.7 mWh/g, also um gut sechs Prozent. Nitecore nennt in den Produkt-Metadaten ausserdem eine «Active Balancing BMS Technology». Bei einer Serienschaltung ist aktives Balancing tatsächlich zwingend, sonst driften die beiden Zellen über die Lebensdauer auseinander. Ein technisches Whitepaper dazu publiziert Nitecore allerdings nicht, die Angabe bleibt eine Behauptung ohne nachprüfbare Details.

Anschlüsse und Ladeleistung

Zwei USB-C-Ports. Die Leistungsangaben sind für Eingang und Ausgang identisch:

  • 5V bei 3A
  • 9V bei 2.22A
  • 12V bei 1.87A
  • Maximal also 22.5 W pro Port

Das ist USB PD auf klassischem Niveau, aber ohne PPS-Angabe im offiziellen Datenblatt. Wer ein modernes Android-Flaggschiff mit programmierbarer Spannung schnellladen will, bekommt hier keine Garantie dafür. Für Smartphones, Stirnlampen, Uhren und Kameras spielt das kaum eine Rolle, für ein Notebook ist die Gen4 ohnehin zu schwach.

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Wichtig ist die Einschränkung beim Parallelbetrieb: Werden beide Ports gleichzeitig belegt, sinkt die Gesamtleistung auf 5V bei 3A, also 15 W. Das gilt unverändert seit der Gen2 und ist eine harte Grenze. Zwei Smartphones gleichzeitig laden funktioniert, schnell ist dabei keines von beiden.

Beim Eingang hat Nitecore dagegen nachgelegt. Die Gen3 nahm maximal 18 W auf, die Gen4 nimmt 22.5 W. Rechnerisch ergibt das bei 39 Wh eine theoretische Ladezeit von rund 1.7 Stunden, real ist wegen der CV-Phase eher mit gut zwei Stunden zu rechnen.

Bedienung: Knock to Wake und RGB-Positionslicht

«Knock to Wake» ist ein G-Sensor, der auf doppeltes Klopfen aufs Gehäuse reagiert und die Powerbank aktiviert. Der Nutzen ist im Winter oder mit nassen Fingern real, denn Kapazitivsensoren scheitern an Handschuhen zuverlässig. Ein Beschleunigungssensor tut das nicht.

Die Kehrseite liegt auf der Hand: Ein Sensor, der auf Erschütterung reagiert, sitzt in einem Gerät, das in einer Laufweste dauerhaft Erschütterungen ausgesetzt ist. Nitecore erwähnt in der Bedienungsanleitung, dass sich die Funktion deaktivieren lässt, was den Verdacht auf Fehlauslösungen eher stützt als entkräftet. Diese Funktion habe ich deaktiviert, da die NB10000 Gen4 sich bei mir im Test öfters selbst eingeschalten hat.

Die RGB-Positionslichter dienen als Statusanzeige und als Auffindhilfe im Dunkeln. Für Gruppen, in denen mehrere identische Powerbanks im Zelt liegen, ist die farbliche Kennung durchaus sinnvoll. Meines Erachtens ist das trotzdem das am stärksten überverkaufte Feature der Gen4, denn Licht kostet Energie und die Kernaufgabe des Geräts ist es, Energie zu behalten.

Das Lanyard-Ladekabel halte ich dagegen für die klügste Detailentscheidung. Ein kurzes und leichtes USB-C-Kabel, das permanent am Gehäuse hängt, löst genau das Problem, an dem ultraleichtes Gepäck real scheitert: das vergessene Kabel. Der Preis dafür ist ein Kabel, das sich bei Defekt nicht ohne Weiteres ersetzen lässt.

Eco-Modus und Normal-Modus: wie wechselt man den Modus

Der Normal-Modus ist die Werkseinstellung und gibt die vollen 22.5 W frei. Der Eco-Modus ist nichts anderes als eine harte Begrenzung des Ausgangs auf 5V bei 1A, also 5 W.

Wie man wechselt:

  1. Alle Kabel abziehen. Es darf weder ein Gerät am Ausgang noch ein Netzteil am Eingang hängen. Nur im Leerlauf reagiert das Gerät auf den Befehl.
  2. Touch-Taste lange drücken. Damit wechselt der Ausgangs-Mode zwischen Normal und Eco.
  3. Farbe der Ladeportanzeige kontrollieren. Gelb bedeutet Normal-Modus mit den vollen 22.5 W. Grün bedeutet Eco-Modus mit 5V bei 1A, also 5 W.

Der Normal-Modus ist ab Werk aktiv, und die Einstellung bleibt gespeichert. Ein Wechsel während eines laufenden Ladevorgangs ist nicht möglich, man muss zwingend abstecken.

Wichtig zur Abgrenzung: Ein langer Druck von rund 6 Sekunden während die Powerbank selbst am Netzteil hängt schaltet nicht den Modus um, sondern deaktiviert beziehungsweise aktiviert die RGB-Beleuchtung und «Knock to Wake». Die Ladeportanzeigen blinken dabei zweimal. Gleiche Taste, gleiche Geste, anderes Ergebnis, unterschieden nur durch den Ladezustand der Powerbank.

Der wunde Punkt: kein echter Low Current Mode

Hier wird es unangenehm, und dieser Punkt ist mir wichtiger als alle Carbon-Optik. Die ursprüngliche NB10000 warb explizit mit einem Low Current Mode, gedacht für Geräte mit sehr geringer Stromaufnahme wie Stirnlampen, GPS-Uhren oder Bluetooth-Ohrhörer. Ohne diesen Modus schaltet eine Powerbank bei zu geringer Last einfach ab, weil sie annimmt, es sei kein Verbraucher mehr angeschlossen.

Der minimal akzeptierte Ladestrom am Eingang wird mit 60 mA angegeben. Beispielsweise einen Oura Ring Gen4 konnte die NB10000 Gen4 in meinem Test problemlos aufladen.

Das ist etwas anderes als ein Low Current Mode, und es ist eine Funktionslücke gegenüber dem eigenen Vorgängerkonzept. Wer die Powerbank kauft, um über Nacht eine Stirnlampe oder eine Sportuhr zu laden, sollte das vorher wissen. Für Solarpanels oder Dynamoladung mit stark schwankendem Strom ist die Gen4 ebenfalls nicht die richtige Wahl.

Betriebsbedingungen und Flugtauglichkeit

Nitecore gibt für die NB-Serie einen Betriebstemperaturbereich von -10 bis 35 °C und eine Lagertemperatur von -20 bis 60 °C an. Einzelne Händler nennen abweichende Werte, verbindlich ist die Herstellerangabe.

Mit 39 Wh liegt die Gen4 klar unter der IATA-Grenze von 100 Wh und darf im Handgepäck mitgeführt werden. Ins aufgegebene Gepäck gehört sie wie jede Lithium-Ionen-Powerbank nicht.

Nitecore empfiehlt, das Gerät bei längerer Nichtnutzung alle drei Monate nachzuladen. Bei einer 2S-Konfiguration mit aktivem Balancing ist das kein Witz, sondern relevant für die Zellsymmetrie.

Wandern und Biwakieren

Auf Tour zählt nicht das Gewicht, sondern das Verhältnis. Die Gen4 spart gegenüber der Gen3 nur sieben Gramm, liefert dafür aber rund 600 mAh mehr nutzbare Energie. Realistisch sind mit 6.800 mAh bei 5V etwa 1.5 Ladungen eines modernen Smartphones, nicht die von Händlern beworbenen zwei bis drei. IPX7 deckt Dauerregen und Kondens im Biwaksack sauber ab, und der Klopfsensor funktioniert im Gegensatz zu kapazitiven Tasten auch mit Handschuhen. Der kritische Punkt ist die Kälte. Bei unter -10°C gehört die Powerbank nachts in den Schlafsack, nicht in den Aussenmesh.

Technische Daten

Nitecore NB10000 Gen4 (NC-NB10000G4)

MerkmalSpezifikation
Kapazität5.000 mAh bei 7.8 V (39 Wh), entspricht 10.000 mAh bei 3.9 V
Nennabgabe6.800 mAh bei 5V (typ. 3A), 7.200 mAh bei 5V (typ. 1A)
ZelltypLi-Ion mit Silizium-Carbon-Anode, 8 % Siliziumanteil
EingangUSB-C: 5V/3A, 9V/2.22A, 12V/1.87A, max. 22.5 W
Ausgang2x USB-C: 5V/3A, 9V/2.22A, 12V/1.87A, max. 22.5 W
Gesamtausgang5V/3A, max. 15 W
Pass-Throughja
SchutzartIPX7
Abmessungen116 x 46.8 x 14.5 mm
Gewicht143 g ±5 g (ohne Zubehör)
Energiedichteca. 272.7 mWh/g
GehäuseCarbonfaser mit Verbundrahmen
BedienungKnock to Wake (G-Sensor), RGB-Positionslicht
Betriebstemperatur-10 bis 35 °C
LieferumfangPowerbank, Lanyard-Ladekabel, Kurzanleitung
Preis Schweizca. 90Fr.

Vor- und Nachteile

Pro

  • Rund 87 Prozent nutzbare Energie bei 5V, deutlich besser als die Gen3
  • 2S-Architektur mit 9V-Plattform reduziert Wandlungsverluste real und nicht nur auf dem Papier
  • 272.7 mWh/g Energiedichte bei nur 143 g
  • IPX7 statt IPX5, ein echter Sprung gegenüber allen Vorgängern
  • 22.5 W auch am Eingang, damit rund zwei Stunden Ladezeit statt deutlich mehr
  • Integriertes Lanyard-Ladekabel löst ein echtes Problem
  • Knock to Wake funktioniert mit Handschuhen, im Gegensatz zu Touchsensoren
  • Mit 39 Wh flugtauglich im Handgepäck

Contra

  • Für Solar- oder Dynamoladung mit schwankendem Strom nach Herstellerauskunft ungeeignet
  • Gesamtausgang bei zwei belegten Ports auf 15 W gedeckelt
  • Volumetrische Energiedichte gegenüber der Gen3 nicht verbessert, das Gerät wird nur schmaler und dicker
  • Kein PPS im offiziellen Datenblatt dokumentiert
  • RGB-Beleuchtung ist Zusatzverbrauch ohne funktionalen Kern

Fazit

Die NB10000 Gen4 ist die erste Neuauflage dieser Serie seit Jahren, bei der die Verbesserung nicht in der Gewichtsangabe steckt, sondern in der Elektrotechnik. Die 2S-Architektur mit Silizium-Carbon-Zellen bringt rund sieben Prozentpunkte mehr nutzbare Energie, und das ist im Alltag mehr wert als die eingesparten sieben Gramm. Wer eine Gen3 besitzt und primär über Effizienz nachdenkt, bekommt hier ein sinnvolles Upgrade. Wer nur wegen Knock to Wake und RGB wechselt, kann ich nicht verstehen.

Der Dämpfer ist die fehlende Unterstützung für sehr kleine Lasten. Für ein Produkt, das Nitecore ausdrücklich als «Competition-Grade» für Trailrunner positioniert, ist es ein Widerspruch, dass ausgerechnet der Betrieb einer Stirnlampe über mehrere Stunden nach Auskunft des eigenen Vertriebs nicht sauber abgedeckt ist. Dieser Punkt gehört vor dem Kauf geklärt, nicht danach.

Für ca. 90Fr. ist die Gen4 trotzdem eine der besten ultraleichten Powerbanks am Markt, und in der Kombination aus 143 g, IPX7 und 87 Prozent Effizienz sehe ich derzeit keine direkte Alternative. Meine Empfehlung gilt mit einer klaren Einschränkung: Für Smartphone, Kamera und Tablet fantastisch, für Kleinverbraucher wie Uhren und Stirnlampen nur nach eigener Prüfung.

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Mein Name ist Ramon Heeb und das ist mein Technikmagazin. Ich liebe es Tutorials, Reviews und anderes zu schreiben und so anderen Menschen zu helfen. Ich bin seit einigen Jahren Technik-interessiert und habe technium.ch im Jahre 2019 gegründet.

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